Lasset das Fest beginnen!

An Ostern, dem im Frühling angesiedelten Fest, wird in der christlichen Welt einem gedacht, der an ein Kreuz genagelt wurde und daran verreckt ist. Ein Fest, das gut in die Welt passt: Während die Natur zum Leben erwacht und Pflanzen zu sprießen beginnen, stirbt der zum Heilsbringer Auserkorene an einem Kreuz, von seinen Mitmenschen daran festgenagelt. (Während seine Geburt zu einem Zeitpunkt des Jahres zelebriert wird, an dem die Tage kurz, kalt und dunkel sind, an dem die Natur tot ist.)

Ich erinnere meine Osterflanierereien in Wald und Flur, die Vögel sangen und an den Zweigen der Bäume begann es zart zu grünen. Doch immer kam ich bei diesen Flanierereien in meiner ländlich, katholisch geprägten Kindheit und Jugend an einem Wegkreuz vorbei, an dem er hing, der Heilsbringer, schlaff, ermattet, mit gesenktem, dornengekröntem Haupt. Manchmal knieten am Fuß des Kreuzes Maria und Magdalena, Mutter und Geliebte, die leidenden Weiber. Das nächste Bild, das sich neben dem am Kreuz Hängenden bei mir einprägte: Das leidende Weib, das eine seltsame erotische Faszination bei mir auslöste.

Nach meiner Flaniererei betrat ich die barocke Basilika, wo in prunkvollem Ambiente die Violine das Leiden leidensreich beklagte, und die begleitende Orgel grundierte das Leiden majestätisch und sprach mit ihrem Klang:

Seht wie erhaben es ist, das männliche Leid zu zelebrieren mit dem leidenden Weib neben dir. Lasset das Fest beginnen!