Es gab einst Frau und Herrn Oris, und man sagt, sie waren sehr fleißige Leute. Manche sagen, sie hätten eine Schweizer Uhrmarke begründet, andere, sie wären Vorfahren von Ingenieuren, die Anhängerkupplungen herstellen. Andere wiederum sagen, sie waren sehr verliebt ineinander und küssten sich ihr Leben lang leidenschaftlich, das würde ihren Namen erklären, Os, Mund, Oris, des Mundes, und das würde auch erklären, warum Frau Oris bereits acht Kinder geboren hatte, als sich die beiden sehr müde fühlten vom Schaffen und vom Pflegen und Aufziehen ihrer acht Kinder.
Sie lagen erschöpft da, und selbst in ihrer Erschöpftheit waren sie sehr verliebt ineinander, es kam ihnen vor, als sähen sie sich zum ersten Mal, sie sahen sich in die Augen und sahen darin die ganze Welt. Aus dieser Begegnung gebar Frau Oris, Gott die HerrIn wollte es so, zwei weitere Kinder, Nummer neun und Nummer zehn, ein Mädchen und einen Jungen, und diese Doppelgeburt erschöpfte Frau und auch Herrn Oris so sehr, dass sie nicht die Kraft fanden, den beiden Neugeborenen Namen zu geben. Sie sprachen zwar nicht von Nummer neun und Nummer zehn, sondern vom Mädchen und vom Jungen, vom Dirndl und vom Buben wie man in ihren süddeutschen Breitengraden sagte.
Da waren sie also, das Dirndl Oris und der Bub Oris, nach einiger Zeit sprach man nur vom D’Oris und vom B’Oris. Nach wieder einiger Zeit verschwanden dann auch die Apostrophe, und man sprach und schrieb nur noch Doris und Boris. So, sagt die Legende, sind aus dem Namen Oris die Vornamen Doris und Boris hervorgegangen.