Vorderbrandner geht in die Liebfrauenkirche in Bremen und schreibt einen Brief

Vorderbrandner schweigt, er sagt, er versuche das Schweigen zu lernen, mehr sagte er nicht, wozu auch, wenn er schweigen will.

Er schickte mir einen Brief aus Bremen, dort war er hingefahren, ohne es mir gesagt zu haben, schweigend auf Reisen, schreibt er, schweigend die Menschen ertragen, ohne sie zu bewerten, zu kommentieren, Vorderbrandner in Bremen, dachte ich, mehr dachte ich nicht, ich dachte nicht: Wieso ist Vorderbrandner in Bremen?, ein Gedanke, der naheliegend gewesen wäre, aber ich dachte ihn nicht, ich denke ihn auch jetzt nicht, in Bremen sei er, schreibt Vorderbrandner weiter, in die Liebfrauenkirche direkt hinter dem Marktplatz gegangen, dort habe das ortsansässige Barockorchester gespielt, wie er im Nachhinein festgestellt habe, es spielte Musik von Johann Bernhard Bach, der ein Vetter von Johann Sebastian gewesen war, diese Musik habe ihm viel gesagt, schreibt Vorderbrandner, sie habe ihm in diesem Moment alles gesagt, sie sei ihm wie eine Zusammenfassung seines Lebens erschienen, wenngleich sie wohl nur eine Beschreibung seiner Gefühle in diesem Moment gewesen war, aber er wisse es nicht, er wisse auch nicht, warum er darüber schreibe, wo er sich doch das Schweigen auferlegt hat. Mehr wolle er im Moment auch nicht mehr schreiben.