Björn Borg – eine schwedische Spießergeschichte

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten geheiratet und nannten sich fortan Herr und Frau Borg. Sie leisteten sich ein kleines Häuschen am Rande der Stadt, und in dem lebten sie auch. Sie wünschten sich zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, und die bekamen sie auch. Sie nannten ihre Kinder Jörn und Inge. Damit hatten sie alles erreicht, was sie im Leben erreichen wollten. Sie hätten nun genauso gut sterben können, aber es war halt so, dass sie lebten, und so mussten sie sich das Leben irgendwie vertreiben.

Zwecks dieser Vertreibung gingen sie eines Abends in das Kulturzentrum am Stadtrand, zum Tanzabend. Sie tanzten und tranken und später gingen sie in leicht angeheitertem Zustand nachhause. In diesem angeheiterten Zustand bestiegen sie beide ihr Ehebett und befanden es eine gute Idee, sich wieder einmal körperlich nahe zu kommen. Es kam zum Koitus in dieser Nacht des angeheiterten Zustands, und das muss deshalb gesagt werden, weil es nicht irgendein Koitus war, sondern ein Koitus, der das Leben von Herrn und Frau Borg, in dem doch alles nur noch seinem Ende entgegenzutrudeln schien, entscheidend änderte.

Zwei Monate später war es nämlich Gewissheit: Durch diesen Koitus war Frau Borg schwanger geworden.
„Johan!“ sagte Frau Borg zu ihrem Mann: „Wie konntest du nur so leichtsinnig sein! Du weißt doch, dass ich auf keinen Fall mehr ein drittes Kind wollte!“
„Ich leichtsinnig? Du hattest mir gesagt, du verhütest!“
„Habe ich auch. Aber es ist wohl schiefgegangen.“
„Schiefgegangen? Du hast einfach nicht darauf geachtet! Nach dem Motto: Wird schon nichts passieren!“
„Du hättest dir einen Gummi überziehen können, dann wäre nichts passiert!“
„Wieso soll ich mir einen Gummi überziehen, wenn du verhütest? Außerdem weißt du, dass ich es mit Gummi nicht so gern mag.“
„Hängt also wieder alles an mir! Wenn du schon keinen Gummi überziehst, dann hättest du ihn wenigstens rausziehen können bevor du abspritzst!“
„Mach ich nächstes Mal und spritz dir mitten ins Gesicht! Bin gespannt, ob du das besser findest!“
„Werd nicht unverschämt!“ schrie Frau Borg und fing zu heulen an.
„Alma, beruhige dich! Ist es so schlimm, wenn wir noch ein Kind kriegen? Unser Häuschen ist doch groß genug!“
„Nein, ist es nicht!“

Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen wuchs das Kind in Alma Borg heran und kam planmäßig und ohne Komplikationen auf die Welt. Es war ein Junge. Kaum waren jedoch die ersten Anstrengungen der Geburt überwunden, entstand eine neue Diskussion zwischen Herrn und Frau Borg, wie der Junge denn heißen soll:
„Ich wollte nur einen Jungen, und der sollte Jörn heißen. Das weißt du genau! Es gibt keinen anderen Namen als Jörn für einen Jungen in meiner Welt!“ erzürnte sich Frau Borg.
„Es kann doch nicht ein so großes Problem sein, einen anderen Namen als Jörn für einen Jungen zu finden!“
„Doch, kann es!“
„Weil du eines daraus machst!

Ein minutenlanges Schweigen breitete sich anschließend zwischen den beiden aus. Bis Johan Borg eine Idee kam: „Weißt du was, ich habe die Lösung: Wir nennen ihn einfach auch Jörn!“
„Wie?“
„Der zweite Jörn. Wenn unser Land so liberal ist wie es sich gerne gibt, werden wir unseren zweiten Sohn doch wie unseren ersten nennen dürfen!“

Der Junge durfte Jörn genannt werden und wurde – zur Unterscheidung von seinem größeren Bruder – B-Jörn gerufen. Als B-Jörn schon zur Schule ging und den Buchstaben B lernte, stellte er fest, dass B im Wort nicht Be gesprochen wird, sondern nur B. Nach Schulschluss rannte er schnell nachhause, wo er an diesem Tag seinen Vater antraf, und sagte aufgeregt: „Papa, ich habe heute gelernt, dass ich gar nicht B-Jörn bin, sondern Björn!“
„Na gut, von mir aus!“ sagte Herr Borg: „Dann bist du ab heute Björn. – Jetzt müssen wir nur noch deine Mutter davon überzeugen…“

Das alternative Leben von Johan und Alma Borg