Uteto Fritz, der sich selbst als Künstler und Psychologen bezeichnet und als Begründer der Sprachenergetik gilt, hat sich seit geraumer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Vor kurzem wurde er jedoch bei einer Hochzeit gesehen, wo er den kurzfristig verhinderten Hochzeitsredner vertrat. Dort beobachtete er das Brautpaar, er studierte die Mimik und Gestik und die Körpersprache der beiden, ohne mit ihnen zu sprechen. Uteto misstraut der Sprache. In einer seiner letzten öffentlichen Aussagen gab er zu Protokoll: „Obwohl der westliche Mensch glaubt, mit seinem Geschwätz seine Seele verbergen zu können, findet sie doch auf einem anderen Weg ihren Ausdruck: über den Leib, über den Körper.“
Als er genug wahr genommen hatte, hob er an zu seiner Rede an das Brautpaar: „Ich sehe: Ihr sucht die Sicherheit, die Sicherheit des Mutterschoßes. Aber ein Partnerschoß ist kein Mutterschoß. Ihr werdet die Sicherheit, die ihr sucht, dort nicht finden. Es steht geschrieben: Darum verlässt das erwachsene Kind Vater und Mutter und bindet sich an seinen Partner, und sie werden ein Fleisch. Aber zuvor muss das Kind Vater und Mutter verlassen. Ihr habt eure Eltern nie verlassen, sondern sucht sie im Partner. Lernt, Abschied zu nehmen. Um zu euch zu gelangen. Zu eurer eigenen Sicherheit. Zu eurer Freiheit.“
Ein Raunen ging durch die Hochzeitsgesellschaft, und der Bräutigam ballte die Fäuste ob dieser unverschämten Worte, wie er später sagen wird. Die Braut aber lief zu Uteto und fiel in seine Arme. Uteto sagte zu ihr: „Mein Kind, auch ich bin nicht dein Vater, von dem du dich nie geliebt gefühlt hast. Gehe hin und finde deine eigene Kraft, die weibliche Kraft in dir.“
Da ging sie hin und sang das Lied von der Kraft des Abschieds: